Trennung, Neuanfang und das Leben danach
00:00:07: Willkommen bei Trennungshelden, dem Podcast über Neuanfängerveränderungen und das Leben, dass manchmal ganz anders kommt als wir es geplant haben.
00:00:15: Ich bin Tanja und hier geht's um die kleinen und großen Fragen, die uns Frauen und manchmal auch Männer mitten im Leben beschäftigen.
00:00:21: Schön, dass du da bist!
00:00:43: Lerne nein sagen, stehe für dich ein.
00:00:45: Kommuniziere deine Bedürfnisse.
00:00:47: und am Ende gibt's fünf Tipps für gesunde Grenzen und wir gehen alle als emotional perfekt abgegrenzte Menschen nach Hause.
00:00:53: Ja so wird diese Folge nicht Denn ich merke gerade dass Grenzen in der Theorie wesentlich einfacher sind als im echten Leben.
00:01:01: Ich habe vor kurzem einen Menschen eine Grenze gesetzt Eine Grenze die tatsächlich schon seit Jahren überfällig war.
00:01:08: Und mehr möchte ich über diese konkrete Situation auch gar nicht erzählen weil daran wie andere Menschen beteiligt sind und deren Geschichte einfach nicht in diesem Podcast gehört.
00:01:15: Aber ich kann erzählen, was diese Entscheidung mit mir macht.
00:01:18: Denn diese Grenze war notwendig und sie tut trotzdem weh!
00:01:21: Sie bricht mir wirklich das Herz.
00:01:23: Das finde ich schon mal wichtig weil wir ja manchmal so über Grenzen sprechen als müsste sich eine richtige Entscheidung automatisch gut anfühlen.
00:01:30: Tut sie aber nicht.
00:01:31: Manchmal weiß du ganz genau bis hierhin und ich kann das so nicht mehr Ich möchte das so auch nicht mehr.
00:01:38: Und trotzdem sitzt du danach da und denkst eben nicht, oh wow was für eine selbstbestimmte Frau ich bin?
00:01:43: Sondern eher so ja scheiße!
00:01:47: Genau so kann es eben auch sein.
00:01:48: Was mich an der ganzen Sache aber fast noch mehr beschäftigt ist etwas anderes nämlich Rückendeckung oder auch Rücken gegen Wiesnerne.
00:01:56: denn es gibt Menschen in meinem Umfeld die meine Entscheidung verstehen sehr gut verstehen und die auch nachvollziehen können warum ich diese Grenze gezogen habe.
00:02:06: Und trotzdem merke ich, dass es für manche sehr schwer ist, Selbstposition zu beziehen.
00:02:11: Aus Angst vor Konflikten, aus Angst vor Reaktionen und vielleicht auch einfach weil Menschen unterschiedlich mit solchen Situationen umgehen.
00:02:18: Ich kann das sogar verstehen wirklich.
00:02:20: aber jetzt kommt das große Aber – ich bin trotzdem enttäuscht!
00:02:24: Eine ganze Weile dachte ich, daß das irgendwie nicht zusammenpasst.
00:02:27: Entweder ich habe Verständnis dafür, dass jemand Angst vor einer Konfrontation hat oder ich bin enttäuscht, weil ich mir gewünscht hätte, dass er sich trotzdem traut.
00:02:35: Aber vielleicht stimmt das gar nicht.
00:02:37: Vielleicht können beide Dinge gleichzeitig wahr sein, ich kann verstehen warum du dich nicht traust und trotzdem hätte ich mir gewünscht dass du dich traust Und wenn ich darüber nachgedacht habe ist mir noch was aufgefallen.
00:02:48: dieses Gefühl kenne ich Nicht aus genau dieser Situation aber aus meinem Leben.
00:02:53: Ich hab es zum Beispiel auch in verschiedenen Jobs erlebt Wenn irgendwas nicht gut lief wenn sich jemand unfair behandelt fühlte oder wenn irgendwas schon seit wochen alle irgendwie nervt.
00:03:02: irgendwann ist es ganz zuverlässig bei mir gelandet.
00:03:05: Und ich scheine über Jahre so eine inoffizielle Zusatzqualifikation gehabt zu haben, irgendwie Tanja Peters irgendwas mit Marketing und nebenberuflich Konfliktbeauftragte.
00:03:14: Andere sind wirklich oft zu mir gekommen und haben erzählt ja das geht so nicht!
00:03:18: Da müsste man wirklich mal wie jemand das ansprechen... Das ist total unfair.
00:03:23: Ja und ich so?
00:03:24: Stimmt wo muss ich hin?
00:03:25: Dann bin ich losmarschiert natürlich nicht immer aber oft genug dass ich heute rückblickend da wirklich ein Muster drin erkenne.
00:03:32: Wenn jemand, der mir wichtig war, Rückendeckung brauchte, war mein erster Impuls häufig nicht so einen sicheren Abstand zum Konflikt einzuhalten.
00:03:40: Das wäre manchmal deutlich besser für mich gewesen!
00:03:42: Ich bin dann eher so ein Schritt nach vorne gegangen und ich glaube dahinter steckt bei mir immer was, was ich eigentlich sehr schön finde nämlich Loyalität.
00:03:51: Wenn ich hinter jemandem stehe, dann stehe ich hinter ihm und wenn ich etwas unfair finde, sage ich es.
00:03:55: Und wenn wir alle ein Problem mit derselben Sache haben, dann war für mich irgendwann klar ja dann stehen wir doch auch gemeinsam dafür ein.
00:04:02: Tja, das war offenbar gelegentlich eine gewagte Annahme.
00:04:05: Denn ich kenne eben auch die andere Seite.
00:04:07: Situationen, in denen plötzlich für mich ein Kampf fällig gewesen wäre und da war es erstaunlich ruhig hinter mir.
00:04:13: Ja klar!
00:04:13: Und das tut weh.
00:04:15: Vielleicht gerade dann wenn man selbst lange diejenige war, die für andere selbstverständlich aufgestanden ist?
00:04:22: Jetzt kommt der Teil den ich nicht ganz so bequem finde denn ich kann natürlich sagen warum hat niemand für mich gekämpft?
00:04:28: Ich kann aber auch fragen Warum habe ich eigentlich so oft die Kämpfe anderer geführt?
00:04:32: Hat mich wirklich immer jemand rumgebeten?
00:04:34: Oder bin ich manchmal auch freiwillig losgelaufen, weil ich dachte, jemand müsste ja schließlich was sagen.
00:04:38: Weil ich manche Konflikte vielleicht weniger scheue als andere oder weil ich Ungerechtigkeit schlecht aushalten kann?
00:04:44: und vielleicht auch, weil es für mich selbstverständlich war das Loyalität genau so aussieht.
00:04:50: Und ich glaube dabei kann etwas entstehen dass ein bisschen wie ein unsichtbarer Vertrag funktioniert Ich stehe für dich ein und wenn ich dich irgendwann brauche, stehst du für mich ein.
00:05:00: Nur gibt's da so ein kleines Problem, der andere hat ihn möglicherweise einfach nie unterschrieben.
00:05:04: Vielleicht wusst ihr ja nicht mal dass es ihn gibt?
00:05:06: Und dann kommt irgendwann der Moment in dem du ihm durch umdrehst und feststellst oh ich stehe hier alleine!
00:05:12: Und vielleicht ist er andere Konfliktscheuer, vielleicht hatte er Angst oder vielleicht bedeutet Rückendeckung oder Rücken geben für ihn was anderes.
00:05:18: Vielleicht würde er mir nachts um drei sofort helfen aber niemals freiwillig eine Konfrontation geben.
00:05:23: Menschen lieben unterschiedlich, Menschen helfen unterschiedlich und Menschen haben unterschiedliche Grenzen.
00:05:27: Aber auch hier gilt wieder, nur weil ich das verstehen kann muss ich meine Enttäuschung darüber nicht wegdiskutieren.
00:05:32: Ich darf sagen, ich hätte dich gerade gebraucht!
00:05:34: Ich hätte mir gewünscht dass du dich neben mich stellst.
00:05:36: Nicht vor mich, nicht um meinen Kampf für mich zu führen einfach neben mich.
00:05:40: und während ich versuche so all die verschiedenen Arten von Rückendeckungen zu verstehen gibt es noch einen Gedanken der noch ein bisschen unangenehmer ist.
00:05:48: vielleicht täuschen wir uns manchmal auch in Menschen.
00:05:51: Nicht unbedingt darin dass sie jetzt schlechte Menschen sind aber vielleicht darin welche Rolle wir in ihrem Leben spielen oder welche Rolle Sie in unserem Spielen.
00:05:57: Vielleicht halten wir jemanden für loyal und stellen irgendwann fest, dass diese Loyalität nur funktioniert solange die nichts kostet.
00:06:03: Solang es bequem ist, so lange niemand Position mitziehen muss oder keinen Konflikt droht.
00:06:07: Und erst wenn es schwierig wird merken wir manchmal wer tatsächlich neben uns stehen bleibt.
00:06:11: Ich finde diesen Gedanken auch ziemlich schmerzhaft Denn wenn ich jemanden lange anders gesehen habe möchte ich mir natürlich lieber irgendwie anders erklären warum er sich gerade so verhält.
00:06:22: Ja der hat Angst oder ja sie kann schlecht mit Konflikten umgehen.
00:06:26: Er meint es bestimmt nicht so und ja, die steht doch eigentlich hinter mir.
00:06:29: Und vielleicht stimmt das sogar alles?
00:06:31: Aber irgendwann darf ich mir trotzdem die Frage stellen, reicht mir das so?
00:06:35: Reicht es mir zu wissen dass jemand theoretisch hinter mir steht wenn ich es praktisch nicht spüre?
00:06:39: Und ich glaube auch darauf gibt's keine Antwort die für jede Beziehung passt.
00:06:43: Es gibt Menschen bei denen ich sagen kann Ich kenne dich!
00:06:47: Ich weiß dass du Konflikte kaum aushältst.
00:06:49: Ich weiß aber auch dass Du auf hundert andere Arten für mich da bist.
00:06:52: Dann kann ich vielleicht akzeptieren, dass du mir in genau diesem Punkt nicht das geben kannst was ich mir wünsche.
00:06:57: Aber vielleicht gibt es auch Beziehungen bei denen ich irgendwann merke... Ich habe da sehr viel mehr hineingelegt als zurückkommt und ich hab Loyalität gesehen wo vielleicht gar keine war oder zumindest nicht die Art von Loyalty die ich in einer engen Beziehung brauche.
00:07:08: Und dann kann Grenze manchmal auch noch etwas anderes bedeuten.
00:07:11: Nicht nur bis hierhin und nicht weiter sondern vielleicht auch bis hier hin sind wir miteinander gegangen und ab hier gehen unsere Wege ein Stück auseinander.
00:07:18: Das muss ja nicht immer der große dramatische Kontaktabbruch sein.
00:07:22: Manchmal verabschiedet man vielleicht auch nur eine Vorstellung von den Menschen.
00:07:25: Man erwartet weniger, man erzählt nicht mehr alles.
00:07:27: Man sucht sich für bestimmte Dinge andere Menschen.
00:07:30: Eine Freundschaft verändert sich, aus Nähe wird ein bisschen mehr Abstand und manchmal verabsicht man tatsächlich einen Menschen aus seinem Leben.
00:07:36: Nicht als Strafe, um ihm zu zeigen was er davon hat!
00:07:39: Sondern weil man erkannt hat, so wie diese Beziehung tatsächlich ist tut sie mir nicht mehr gut.
00:07:44: Und ich glaube das gehört auch zum Älterwerden dazu.
00:07:47: Nicht jeden Menschen festhalten zu müssen nur, weil er schon lange da ist und gleichzeitig aber auch nicht jeden Menschen auszusortieren, nur weil er uns einmal enttäuscht hat.
00:07:54: Die Kunst liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.
00:07:57: Aber wo genau dieses Dazwischende ist?
00:07:58: Das weiß ich gerade selbst nicht immer.
00:08:00: Vielleicht ist genau das der Punkt an dem sich für mich zwei Dinge verändern.
00:08:04: Zum einen lerne ich meine eigenen Grenzen zu setzen Und das jetzt nicht als Strah, wenn ich als Drohung und auch nicht mit der Erwartung, dass der andere dadurch endlich versteht was er alles falsch macht.
00:08:12: Sondern einfach als Feststellung.
00:08:13: bis hierhin kann ich mitgehen und ab hier nicht mehr.
00:08:16: Was der Andere daraus macht Das kann ich einfach auch nicht kontrollieren.
00:08:19: wie er darauf reagiert kann Ich nicht kontrolliere und ich kann nicht kontrollier ob andere Menschen dieselbe Grenze ziehen Und selbst dann nicht wenn ich denke hey leute ihr seht doch genauso?
00:08:27: Ich kann nur meine eigene setzen.
00:08:29: Und vielleicht gibt es noch eine zweite grenz über die ich bisher viel weniger nachgedacht habe Eine grenze für meine rolle im leben anderer menschen.
00:08:36: vielleicht Muss ich nicht mehr automatisch losmarschieren, sobald jemand zu mir kommt und sagt du da müsste wirklich mal jemand.
00:08:43: Vielleicht darf meine erste Frage inzwischen leuten?
00:08:45: Und was möchtest du jetzt tun?
00:08:48: Das bedeutet ja nicht dass ich weniger loyal sein möchte im Gegenteil.
00:08:51: Ich möchte Menschen die mir wichtig sind weiterhin den Rücken stärken!
00:08:53: Ich möchte da sein Zuhören mit Denkentrösten vielleicht auch mal sagen er war scheißer.
00:08:56: ne aber vielleicht muss sich dafür nie jedes Mal mein imaginieres Schwert aus dem Schrank runter in den Schlacht ziehen.
00:09:02: Vielleicht habe ich Rückendeckung lange mit etwas verwechselt denn ich kann hinter dir stehen ohne mich vor dich zu stellen.
00:09:08: Den Satz den mag ich irgendwie gerade sehr.
00:09:10: Und vielleicht muss ich lernen, ihn in beide Richtungen gelten zu lassen für die Menschen im Leben aber auch für mich.
00:09:15: Denn wenn ich eine Grenze brauche dann ist es meine Grenze und ich darf mir wünschen dass Menschen hinter mir stehen.
00:09:20: Ich darf enttäuscht sein wenn sie es nicht auf diese Weise tun, die ich mir gewünscht hätte.
00:09:24: Vielleicht darf ich daraus auch Konsequenzen für eine Beziehung ziehen, wenn ich merke das was Grundsätzliches zwischen uns nicht mehr passt.
00:09:30: Aber ich brauche die Zustimmung anderer nicht damit meine Grenzen gültig wird!
00:09:34: Das ist wahrscheinlich mein schwierigster Lernprozess daran Denn ganz ehrlich, ich würde viel lieber am Ende dieser Folge sagen können.
00:09:41: Ich habe diese Grenze gesetzt alle haben sich hinter mir versammelt, dramatische Musik setzen ein und gemeinsam sind wir in den Sonnenuntergang geritten und jetzt sind wir alle wieder so happy.
00:09:49: Ja war nicht so oder ist nicht so?
00:09:51: Und vielleicht ist das echte Leben auch einfach selten so ordentlich.
00:09:55: Ich weiß nicht wie die Geschichte weitergeht.
00:09:57: Ich weiss nicht wie sich diese Grenzen in paar Wochen oder Monaten anfühlen wird.
00:09:59: Die war nur notwendig und trotzdem tut sie weh!
00:10:03: Und ich kann verstehen, warum andere Menschen anders mit der Situation umgehen als ich und trotzdem bin ich enttäuscht.
00:10:09: Ich kann für Menschen da sein und ich muss trotzdem nicht mehr in ihrer Kämpfe führen.
00:10:12: Und ich darf mir Menschen an meiner Seite wünschen bei denen ich nicht nur weiß dass sie hinter mir stehen sondern auch spüre.
00:10:18: Vielleicht ist genau das Grenzen setzen!
00:10:20: Nicht nur zu wissen wann ich Nein zu einem anderen Menschen sagen muss sondern eben auch zu erkennen wo meine Verantwortung aufhört und von dem anderen beginnt.
00:10:28: Und vielleicht werde ich die freiwillige Konflikt beauftragte Meines Umfelds damit nicht vollständig in Rente schicken.
00:10:35: Ich kenne mich ja auch ein bisschen, ne?
00:10:37: Aber vielleicht reduziere ich wenigstens ihre Arbeitszeit und das wäre ja immerhin schon mal einen Anfang!