Trennung, Neuanfang und das Leben danach
00:00:07: Willkommen bei Trennungshelden, dem Podcast über Neuanfängerveränderungen und das Leben, dass manchmal ganz anders kommt als wir es geplant haben.
00:00:15: Ich bin Tanja und hier geht's um die kleinen und großen Fragen, die uns Frauen und manchmal auch Männer mitten im Leben beschäftigen.
00:00:21: Schön, dass du da bist!
00:00:42: Ich werde ja heute keinen Vortrag über japanische Ästhetik halten, aber dieser Begriff ist mir irgendwie hängen geblieben und es gibt dafür auch keine richtig gute deutsche Übersetzung.
00:00:52: Ganz vereinfacht geht es um das Bewusstsein dass die Dinge vergänglich sind und um dieses besondere Gefühl das daraus entstehen kann so eine Mischung aus Schönheit und ein bisschen Wehmut weil etwas schönes und wir gleichzeitig wissen dass es nicht bleiben wird.
00:01:05: Und ein ganz bekanntes Beispiel dafür sind die japanischen Kirschblüten.
00:01:07: Die blühen ja auch ganz wunderschön, aber eben nur für kurze Zeit und gerade diese Vergänglichkeit gehört zu dem was ihre Schönheit so besonders macht!
00:01:16: Und als ich darüber nachgedacht habe dachte ich irgendwann eigentlich ist das doch unser ganzes Leben.
00:01:22: Es gibt so viele Dinge bei denen wir erst hinterher merken dass sie irgendwann zum letzten mal passiert sind.
00:01:27: Das letzte Mal hast dein Kind deine Hand genommen hat wenn ihr über die Straße gegangen seid.
00:01:30: Der letzte Abend in einer Wohnung der du Jahre lang gelebt hast.
00:01:34: Das letzte Mal mit einer Freundin, mit der du früher ständig unterwegs warst.
00:01:37: Aber es müssen ja gar nicht immer diese großen Abschiede sein!
00:01:40: Manchmal ist es der letzte richtig warme Abend eines Sommers – der letzte Morgen im Urlaub wenn man noch mal auf dem Balkon sitzt und eigentlich gar nicht nach Hause möchte.
00:01:47: Das letzte Stück von diesem unfassbar guten Kuchen, von dem man sich natürlich vorgenommen hatte nur so ein winziges Stück zu essen oder einen Konzert, dass du dich monatelang gefreut hast und plötzlich geht das Licht wieder an… Oder irgendein völlig unspektakulärer Dienstdach in einem Leben dass kurz darauf ein anderes wurde.
00:02:02: Manche dieser letzten Male kennen wir vorher, aber anderen haben keine Ahnung.
00:02:05: Da steht ja niemand neben uns und sagt Tanja übrigens gut aufpassen ne?
00:02:08: Das hier das kommt nicht wieder!
00:02:10: Und vielleicht ist es auch ganz gut so.
00:02:12: Ich möchte schließlich nicht morgens meinen Kaffee trinken und dabei denken genieß ihn Es könnte der letzte Cappuccino deines Lebens sein... ...dass wer mir dann auch ein bisschen zu viel Monono erwahre.
00:02:22: Aber ich finde den Gedanken trotzdem faszinierend.
00:02:24: Wie viele Dinge in meinem Leben habe ich wohl zum letzten Mal gemacht ohne zu wissen dass es das letzte mal war?
00:02:29: Und natürlich muss ich dabei irgendwann an Trennungen denken, weil wir nach einer Trennung oft versuchen die Vergangenheit neu zu bewerten.
00:02:34: Dann suchen wir nach dem was nicht funktioniert hat Nach den Dingen die uns gestört haben Nach den Gründen warum es vielleicht besser ist dass es vorbei ist.
00:02:41: Manchmal brauchen wir das wahrscheinlich auch gerade am Anfang.
00:02:43: Vielleicht darf daneben noch eine andere Wahrheit stehen Es war schön und jetzt ist es vorbei.
00:02:49: Ich mag diesen Satz ja irgendwie auf wenn er so ein bisschen weh tut Denn beides kann gleichzeitig stimmen Eine Beziehung muss nicht komplett falsch gewesen sein nur weil sie irgendwann oder eine Freundschaft muss nicht wertlos gewesen sein, wenn man heute kaum noch miteinander zu tun hat.
00:03:03: Und in der Lebensphase muss auch nicht schlecht gewesen sein nur weil wir heute anders leben möchten.
00:03:07: Vielleicht muss nicht alles für immer bleiben damit es wertvoll war und ich glaube genau dieser Gedanke gefällt mir an Monono Avare so sehr, weil wir manchmal diesen Drang haben die Dinge im Nachhinein eindeutig machen zu wollen gut oder schlecht richtig oder falsch hat funktioniert oder ist gescheitert.
00:03:23: aber so ist das Leben ja meistens gar nicht.
00:03:26: Manches war gut und schwierig Und manches war richtig und trotzdem irgendwann eben nicht mehr richtig.
00:03:31: Manche Menschen waren wichtig für uns, gehören heute trotzdem nicht zu unserem Leben.
00:03:36: Manches vermissen wir sogar, obwohl wir es gar nicht zurück haben möchten.
00:03:39: Diesen Gedanken finde ich übrigens besonders interessant.
00:03:41: Etwas vermissen ohne es zurückhaben zu wollen, das klingt ja erst mal ziemlich widersprüchlich ist es aber eigentlich gar nicht.
00:03:47: Ich kann schon eine Zeit vermissen ein Gefühl einen Ort oder an Menschen ne frühe Reversion von mir und ich kann mich manchmal auch an was erinnern und denken ach das war schön Und trotzdem überhaupt nicht den Wunsch haben, wieder dort zu sein.
00:03:59: Vielleicht ist das sogar eine ziemlich friedliche Form des Loslassens.
00:04:03: Nicht dieses, es mir egal, brauche ich nicht mehr, war sowieso alles miss... Sondern doch!
00:04:07: Es war mir wichtig und jetzt ist es vorbei.
00:04:10: Vielleicht merke ich das heute auch stärker weil ich älter werde.
00:04:12: mit zwanzig oder dreißig hatte ich viel seltener das Gefühl gerade in einer bestimmten Lebensphase zu sein.
00:04:17: Ich habe einfach gelebt.
00:04:18: Heute sehe ich das anders vielleicht auch weil inzwischen genug Vergangenheit hinter mir liegt um zu erkennen, wie sehr sich ein Leben verändern kann.
00:04:25: Menschen von denen ich mal dachte, dass sie immer da sein würden sind heute einfach nicht mehr Teil meines Alltags und Dinge über die ich mir früher nächtelang den Kopf zerbrochen habe, sind heute vollkommen unwichtig.
00:04:34: Und andere Dinge, die damals selbstverständlich waren würde ich heute gern für einen einzigen Nachmittag nochmal erleben.
00:04:40: Gleichzeitig gibt es heute Dinge in meinem Leben, die ich früher noch gar nicht kannte!
00:04:43: Das ist ja das Verrückte daran, während was verschwindet entsteht meist irgendwo schon etwas anderes und wir merken das nur nicht immer sofort.
00:04:49: Und dann habe ich mich gefragt wenn ich jetzt weiß dass alles vergänglich ist?
00:04:52: Was mache ich mit dieser Erkenntnis?
00:04:54: muss sich jetzt jeden schönen Moment besonders intensiv genießen morgens aufstehen und denken heute werde ich ganz bewusst leben jeden Sonnenuntergang bestaunen dankbar meinen Kaffee trinken mein Handy weglegen tief durchatmen im Moment sein und am besten noch ein Dankbarkeits Tagebuch führen?
00:05:10: Nee, bitte nicht.
00:05:10: Dann sind wir nämlich direkt wieder bei meiner letzten Podcastfolge mit einer neuen Aufgabe auf der Selbstoptimierungsliste.
00:05:16: Vergänglichkeit richtig genießen ja super noch was das ich halt auch falsch machen könnte.
00:05:21: Aber so möchte ich eben mono nur aber nicht verstehen.
00:05:24: Vielleicht geht es gar nicht darum jeden moment festzuhalten oder jeden schönen augenblick sofort als solchen erkennen zu müssen.
00:05:29: vielleicht reicht es schon zwischen überhaupt mal mitzubekommen dass hier ist gerade mein leben Nicht das Leben, dass irgendwann anfängt.
00:05:35: Wenn ich fitter bin, wenn ich mehr Zeit habe oder Geld hab und der Job weniger stressig ist.
00:05:39: Wenn dieses Problem endlich gelöst ist, jemanden kennengelernt hat, Kinder größer sind ... Wenn ich endlich weiß was ich eigentlich will?
00:05:45: Wenn irgendwann alles passt!
00:05:46: Wir verschieben erstaunlich viel Leben auf später Und ich nehme mich da überhaupt nicht aus.
00:05:50: Ich denke auch ständig, das mache ich irgendwann Hach die rufe ich demnächst mal wieder an.
00:05:53: Das möchte ich unbedingt noch erleben Irgendwann.
00:05:55: Nur ist dieses irgendwann einfach ziemlich merkwürdige Zeitangabe Und vielleicht ist genau das für mich der schönste Gedanke an diesem Monono-Aware Nicht alles geht vorbei, sondern es ist gerade da.
00:06:07: Der Mensch mit dem ich heute lachen kann, die Freundin der ich irgendeinen Blödsinn schicken kann, den Ort an dem ich gerade lebe – ein Sommerabend!
00:06:13: Ein Lied das sich im Moment ständig höre, mein Körper über den ich mich vielleicht viel zu oft ärgere obwohl er mich jeden Tag durchs Leben trägt, mein ganz normaler Alltag.
00:06:20: und vielleicht werde ich irgendwann auf genau diese Zeit zurückschauen und denken, ah das war eigentlich schön….
00:06:25: Und vielleicht habe ich es damals gar nicht gemerkt Wobei ich auch nicht glaube, dass wir ständig merken müssen das wir glücklich sind.
00:06:30: Das wäre schon wieder so ein Druck.
00:06:32: Manche Tage sind einfach Tage.
00:06:33: da muss nicht jede Tasse Kaffee in die tiefgreifende Erfahrung über die Vergänglichkeit des Lebens sein und manchmal ist Kaffe ja einfach Kaffey und manchmal is Montag einfach Montag.
00:06:41: Das darf auch sein aber vielleicht können wir uns dann wieder schon dabei erwischen wie wir was richtig schönes gerade für selbstverständlich halten und kurz denken ach guck mal das hier mag ich mehr vielleicht gar nicht Und wahrscheinlich liegt genau Darin auch diese kleine Wehmut.
00:06:54: Denn soweit ich wirklich merke, dass mir etwas wichtig ist weiß ich natürlich auch Ich kann es nicht für immer festhalten.
00:06:59: Menschen verändern sich Beziehungen verändern Sich Kinder werden groß Wir werden älter.
00:07:03: Freundschaften kommen und gehen wir ziehen um Wir verlieben uns, wir trennen uns, fangen neu an Und manchmal wird etwas das einmal unser ganzes Leben war Irgendwann zu einer Erinnerung.
00:07:13: Ja das ist traurig!
00:07:13: Ich finde das darf man auch so sagen Nicht alles daran muss man positiv umdeuten.
00:07:17: Manche Abschiede tun weh und manche Dinge hätten wir gerne länger behalten Manche Menschen vielleicht für immer und trotzdem gehört auch das zum Leben.
00:07:23: Vielleicht ist die Antwort deshalb gar nicht weniger festzuhalten, wir sind Menschen.
00:07:27: natürlich halten wir fest an Menschen eine Erinnerung an Vorstellungen an Dingen, die wir lieben.
00:07:31: Vielleicht besteht die Kunst eher darin irgendwann zu merken wann wir die Hand ein bisschen öffnen müssen?
00:07:36: Und nicht weil das was darin war unwichtig geworden ist sondern gerade weil es wichtig war.
00:07:41: und vielleicht muss nicht immer alles bleiben damit es wertvoll war.
00:07:44: ne Liebe nicht ne Freundschaft nicht ne Lebensphase nicht in Sommer nicht und auch nicht die Frau die ich mal war.
00:07:49: Und wenn ich diesen Gedanken weiterdenke, macht mich die Vergänglichkeit erstaunlicherweise nicht nur melancholisch.
00:07:54: Sie macht mir auch so ein bisschen Lust aufs Leben!
00:07:56: Denn wenn sowieso nicht alles bleibt, dann möchte ich meine Zeit nicht nur damit verbringen aus der nächsten bessere Version meines Lebens zu warten.
00:08:03: Vielleicht möchte ich ein paar Dinge nicht irgendwann machen sondern bald und vielleicht möchte ich Menschen öfter sagen dass ich gerne mit ihnen zusammen bin.
00:08:08: Vielleicht will ich manchmal noch ein bisschen länger sitzen bleiben, noch ein Lied hören, noch eine Kuchen essen... Okay beim Kuchen bin ich schon sehr schnell bereit Mono no Aware praktisch anzuwenden.
00:08:17: Und vielleicht möchte ich einfach ein bisschen öfter merken, dass hier ist gerade mein Leben nicht perfekt, nicht fertig, nicht für immer.
00:08:23: Aber meins!
00:08:25: Vielleicht besteht die Kunst tatsächlich nicht darin alles festzuhalten sondern zu merken wie schön es ist solange's da ist und wenn es irgendwann vorbei ist vielleicht sagen zu können Es war schön eben nicht perfekt nicht für Immer aber schön und vielleicht ist das manchmal genug.
00:08:40: Wenn dir diese Folge gefallen hat, freue ich mich wenn du auch beim nächsten Mal wieder dabei bist.
00:08:43: Mehr von Trennungshelden findest Du auf www.trennungsheldin.net oder über die Links in den Shownotes.
00:08:49: Ich wünsch Dir alles Liebe bis zum nächsten mal!